Druck im Profi-Fußball: Hanke pflichtet Mertesacker bei

Mertesacker_Hanke

In einem Spiegel-Interview gab Ex-Nationalspieler Per Mertesacker zuletzt Einblicke in die Schattenseiten seiner Profi-Karriere. Vor jedem Spiel habe der Druck ihn zermürbt, sein Körper reagierte mit Brechreiz und Durchfall. “Als sei das, was dann kommt, symbolisch gesprochen, einfach nur zum Kotzen”, fügte der 33-Jährige hinzu. Nach dieser Saison wird Mertesacker seine Laufbahn beenden und die Nachwuchsakademie des FC Arsenal leiten.

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Kritik ruft verschiedene Reaktionen hervor

Mit seinen Aussagen griff Mertesacker da „System Fußball“ an und kritisierte die hohe Erwartungshaltung, die besonders wegen der Medienpräsenz immer mehr zunehme. Dies mache sich auch am eigenen Körper bemerkbar. Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer. Ich behaupte sogar, dass viele wiederkehrende Verletzungen psychisch bedingt sind. Dass der Körper der Seele damit zu Ruhe verhilft. Aber das hinterfragt niemand.” Besonders bei der WM 2006 litt der damals erst 21 Jahre alte Mertesacker. “Ich weiß es noch, als wäre es heute. Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei”, dachte er sich nach dem 0:2 im Halbfinale gegen Italien. Nun sitze er “am liebsten auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne.”

Das Interview im Spiegel zog gemischte Reaktionen nach sich. “Im eigenen Land eine Weltmeisterschaft zu spielen, bei der du von so einer Euphorie getragen wirst, das darf ja gar keine Belastung sein”, sagte etwa Lothar Matthäus, der für seine plumpen und unsensiblen Aussagen aber scharf kritisiert wurde. Er ging sogar so weit zu sagen, dass er sich den Innenverteidiger der Gunners nicht als Nachwuchstrainer vorstellen könne. Auch Christoph Metzelder und Rainer Callmund äußerten sich kritisch über das Interview von Mertesacker.

Ganz anders reagierte Mike Hanke, der beim Sommermärchen 2006 ebenfalls zum DFB-Kader gehörte. „Ich habe Per eine Whatsapp geschrieben, dass ich seine Aussagen sensationell finde. Ich finde es sehr mutig, dass er sich so im Interview geäußert hat. Auch ich war in meiner Karriere öfter in der gleichen Lage und weiß, dass ganz viele aktuelle Profis auch in dieser Lage sind“, sagte der 34-Jährige in einem Sport1-Interview. „Es gibt 70, 80 Prozent, die genauso denken wie Per.“

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Auch ein Barca-Star solidarisiert sich mit „Merte“

Auch für Andre Gomes vom FC Barcelona ist der enorme Druck im Profi-Geschäft ein Thema. Gegenüber dem Magazin Panenka beschrieb der 24-Jährige, wie schwer es ihm fällt, die Spiele zu verarbeiten, besonders wenn es nicht so gelaufen ist, wie es sollte. “Zu viel zu denken, tut mir weh.” Trotz der Unterstützung seiner Kollegen hadert er auf dem Platz mit Unwohlsein. “Ich genieße es nicht auf dem Platz und fühle mich ängstlich.” Gomes, der mit Portugal 2016 den Europameistertitel gewann zieht sich im Alltag teilweise sogar zurück. “Ich schließe mich ein. Ich erlaube es mir selbst nicht, die Frustration, die ich habe, loszuwerden. Ich rede mit niemandem und will niemanden belästigen, weil ich mich schäme.” Nach der EM und zwei erfolgreichen Jahren beim FC Valencia war Gomes 2016 für 35 Millionen Euro zum FC Barcelona gewechselt. Dort konnte er die in ihn gesteckten Erwartungen bisher jedoch nicht erfüllen.

Die neu entfachte Debatte über Druck im Profi-Fußball dürfte auch in den nächsten Tagen und Wochen Thema bleiben und zeigt, dass in manchen Bereichen ein Umdenken erforderlich ist. Positiv ist dabei sicherlich, dass mit Per Mertesacker demnächst jemand am Steuer der Nachwuchsabteilung eines Profivereins steht, der den jungen Spielern wichtige Ratschläge geben kann, sodass diese besser mit dem schweren Stand als Profi klarkommen können.